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Lerntipp: Mit Bildern lernen

In meinen beiden bisherigen Lerntipps habe ich dir schon zwei Möglichkeiten gezeigt, wie du produktiv mit Bildern lernen kannst. Dabei ging es darum, dass du selbst Bilder erstellst, um damit beispielsweise deinen Wortschatz zu trainieren. Heute möchte ich dir Beispiele zeigen, wie du mit vorhandenen Fotos oder anderen Bildern arbeiten kannst, um deine Sprachkompetenz zu verbessern.

Bildbeschreibung

Der Klassiker: Eine Bildbeschreibung ist eine sehr gute Methode, um mit Bildern lernen zu können. Du kannst das Bild mündlich oder schriftlich beschreiben, je nachdem, welche Fertigkeit du trainieren möchtest. Auch kannst du verschiedene Schwerpunkte herausgreifen: Möchtest du Präpositionen üben? Oder die Farben wiederholen? Oder suchst du einfach eine Inspiration, um über irgendetwas zu sprechen oder zu schreiben?

Wenn du etwas schreiben möchtest, ist es natürlich auch gut, ein Wörterbuch zu benutzen. Bei der mündlichen Bildbeschreibung kannst du das freie Sprechen üben und den Wortschatz verwenden, den du schon aktiv beherrschst. Damit trainierst du, dich flüssig ausdrücken, auch wenn du mal kein Wörterbuch zur Hand hast.

Bei einer Bildbeschreibung kannst du dich an folgenden Punkten orientieren:

    1. Beschreibung: Was ist auf dem Bild zu sehen? Wie sind die Farben? Welche Objekte gibt es, was befindet sich im Vordergrund, im Hintergrund, links, rechts? …
    2. Interpretation: Welche Situation könnte die Szene darstellen? Was denken die Personen? Was ist vorher passiert, was passiert hinterher? Was will der Künstler/Fotograf ausdrücken? …
    3. Transfer: Woran erinnert dich das Bild? Hast du schon einmal eine ähnliche Situation erlebt? Was assoziierst du mit dem Motiv? …

Du kannst dir je nach Zeit und Interesse auch nur einen oder zwei Schritte aussuchen. Hauptsache, du beschäftigst dich mit der Sprache und wendest sie an.

Ich gebe dir ein kurzes Beispiel einer Bildbeschreibung mit allen drei Schritten:

mit bildern lernen

1. Beschreibung:
Im Zentrum des Bildes ist ein Tanzpaar zu sehen. Um die Tänzer herum stehen Menschen. Einige schauen zu, andere unterhalten sich. Der Mann links im Bild hat eine Kamera um den Hals gehängt. Im Hintergrund befinden sich Bäume oder Sträucher. Die Tänzer tragen dunkle Kleidung. Der Mann ist ganz in Schwarz gekleidet und trägt einen Hut, die Frau trägt schwarze, flache Schuhe, eine schwarze weite Hose und ein dunkelrotes Oberteil. (…)

2. Interpretation:
Die Szene spielt sich an einem öffentlichen Platz ab. Die Tänzer tanzen draußen und Menschen, die vorbeigehen, können ihnen beim Tanzen zuschauen.
Vielleicht sind es Touristen, weil der Mann links eine Kamera dabei hat. Ich glaube, die Tänzer tanzen Tango. Die Frau trägt aber keine hohen Schuhe. Vielleicht tanzen sie den ganzen Tag dort und dann trägt die Frau bequeme Schuhe, damit es nicht so anstrengend für sie ist und ihr später nicht die Füße wehtun. (…)

3. Transfer:
In meiner Stadt habe ich auch schon oft Tänzer auf der Straße gesehen, aber noch nie Tangotänzer. Mir gefällt Tango sehr gut und ich wollte schon immer einmal einen Tanzkurs machen. Vielleicht mache ich das endlich im neuen Jahr? Aber ich habe mir schon so viel vorgenommen, zum Beispiel einen Sprachkurs besuchen, eine lange Reise machen, (…)

Portrait: Biografie ausdenken

Wenn du ein Portrait einer Person hast, kannst du spekulieren: Wer ist diese Person? Denk dir eine Biografie aus. Das kannst du auch schon gut als Anfänger. Entwirf einen kleinen Steckbrief und beantworte zum Beispiel folgende Fragen: Wie heißt die Person? Wie alt ist sie? Woher kommt sie? Was macht sie beruflich? Ist sie verheiratet, hat sie Kinder, was kann man noch zur Familie sagen? Wie sieht die Person aus (glücklich, traurig, nachdenklich, konzentriert, nervös, …)? Warum, was könnte passiert sein?

Bestimmt hast du noch ganz viele Ideen, was man zu einer Person erzählen könnte. Lass dich einfach inspirieren!

Woher bekommt man gute Bilder?

Eigentlich überall 🙂 Und das ist manchmal das Problem: Es wimmelt überall nur so vor Bildern. Das macht die Auswahl natürlich schwer, wenn du mit Bildern lernen möchtest, da sich nicht alle Bilder gleich gut für jede Übung eignen.

Am einfachsten ist es, Bilder aus Zeitungen und Zeitschriften zu nehmen, oder du gibst einen beliebigen Begriff in die Bildersuche einer Suchmaschine ein, oder du schaust dir in sozialen Netzwerken Bilder deiner Freunde an, oder du kramst in einer alten Fotokiste… Wenn du eigene Fotos nimmst, kannst du wahrscheinlich nicht mehr so frei interpretieren, weil du schon zu viel darüber weißt. Aber wie wäre es, wenn du alternativ jemandem die Situation beschreibst, in der das Bild zustande kam? Oder denk dir einfach eine neue Geschichte aus!

Wenn du mit Bildern lernen willst, hast du also viele Möglichkeiten. Betrachte die Bilder als spontanen Input, um schnell und einfach ein Thema zu finden, worüber du sprechen oder schreiben kannst! Wenn du jemanden hast, der dich korrigieren kann, ist das natürlich super. Aber auch, wenn du alleine lernst und noch Fehler machst, ist das nicht so schlimm. Wichtig ist, dass du beim Deutschlernen die Sprache aktiv anwendest, denn dadurch lernst du schon eine ganze Menge!

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Michaela,
    vielen Dank für deine hervorragende Bildbeschreibung. Darf ich sie in meinen Unterricht (Daf in Griechenland) einsetzen?

    Antworten

  2. Liebe Michaela, danke schön für eine interessante Seite für praktische Phonetik.
    Ich unterrichte Deutsch an der linguistischen Universität, und zwar deutsche Grammatik, Phonetik und Sprachpraxis.
    Ihre Seite ist ein Unterricht für mich.
    Ich versuche auch für meine Studenten in Phonetik was zu machen.
    Unterrichten Sie Deutsch?
    Ich habe immer viele Fragen in Deutsch.
    Vera aus Kiew
    Ukraine

    Antworten

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